Quito, ich kam, ich sah, ich gurkte

Man sagt, Fliegen sei nichts für Eingemachte. Ich widerspreche. Als weltreisende Cornichon-Legende stieg ich geschniegelt und gesalzen ins Flugzeug Richtung Quito, Ecuador — eine Stadt so nah am Äquator, dass selbst ich mich plötzlich geometrisch fühlte.

Schon beim Aussteigen: diese Luft! Dünn, kühl, leicht feucht — als hätte jemand Bergwind mit einem Spritzer Limettensaft und einer Erinnerung an Essig verrührt. Für eine Gewürzgurke wie mich war das verwirrend angenehm. Nicht ganz Glas, nicht ganz Kühlschrank, eher: Deluxe-Marinade auf 2.850 Metern. Mein Deckel vibrierte.

Die Menschen? Überraschend höflich. Man starrte mich an, ja, aber auf die charmante Art. Kinder kicherten. Ein Mann bekreuzigte sich. Eine ältere Dame murmelte etwas, das ich frei mit „Die Gurke reist wieder“ übersetze. Fair. Ich hatte meinen Flughafenblick aufgesetzt: halb diplomatisch, halb Delikatessenregal.

Was mich in Quito wirklich gepickelt hat, waren die Gerüche. Morgens roch die Stadt frisch und klar, dann plötzlich wieder nach Regenstein, warmem Teig und irgendwo ganz entfernt nach etwas, das mein Herz höher einlegte: eine säuerliche Note in der Luft. Vielleicht Fermentation, vielleicht Fantasie, vielleicht einfach ich unter Stress.

Texturen sind hier übrigens ein Ereignis. Die Kühle der Höhenluft auf meiner Haut: herrlich. Die Sonne: frech, direkt, fast unverschämt. Schatten fühlte sich an wie Kühlschrank-Romantik, Sonnenstrahlen eher wie „Heute werden wir zu Relish verarbeitet.“

Kurz gesagt: Quito hat mich nicht nur überrascht, sondern sauber eingelegt. Ich kam als Snack, ich ging als Legende.

Neu im Gepäck, ganz zufällig eingesackt: ein winziger gewebter Glücksanhänger und ein nach Rauch duftendes Notizheft.