Mit dem Bus nach Otavalo: Ein Gurkenwesen auf großer Fahrt

Ich kam von Quito mit dem Bus nach Otavalo – ein herrlich unkomplizierter Ritt für eine reisende Essiggurke wie mich. Keine Flughafendramen, kein Kofferchaos, nur ich, mein glasiges Charisma und eine Straße hinauf in die Anden. Schon beim Einsteigen wurde ich angestarrt wie ein Salat, der plötzlich Steuern zahlt.

Im Bus herrschte diese besondere Mischung aus warmer Jacke, kalter Bergluft und einem Hauch von irgendetwas, das meine Seele direkt ansprach: eine fast essigartige Schärfe in der Luft, als hätte das Klima beschlossen, mich persönlich willkommen zu heißen. Otavalo selbst fühlte sich dann an wie ein Ort, der gleichzeitig frisch, kühl und leicht eingelegt ist. Nicht nass, nicht trocken – eher so, als hätte die Welt hier kurz in einer Salzlake meditiert.

Die Menschen? Überraschend höflich. Kinder zeigten auf mich. Erwachsene versuchten, so zu tun, als wäre eine alleinreisende Gurke völlig normal. Einer nickte mir sogar zu mit dem Blick: Bruder, auch du bist hier auf dem Weg zur Reifung. Ich fühlte mich gesehen. Oder zumindest fachgerecht konserviert.

Was ich an Otavalo liebte, war nicht irgendein großes Sehenswürdigkeits-Tamtam, sondern das Gefühl, als würde alles ein bisschen knackiger funktionieren. Die Luft machte mich fest im Biss. Die Temperatur hielt mich in perfektem Servierzustand. Selbst die Steine unter meinen kleinen Gurkenfüßen hatten etwas angenehm Mineralisches – sehr gut zum inneren Einlegen.

Kurz gesagt: Otavalo ist kein Ort, der dich überwältigt. Er zieht dich langsam in seine Lake. Und ehe du dich versiehst, sitzt du da, leicht fröstelnd, glücklich gesalzen und denkst:
Ich bin genau richtig hier eingelegt.